HöSi-Radlspezln on tour im  Piemont

Unter der Schirmherrschaft des „Arbeitskreis ZusammenLeben“ begaben sich die Höhenkirchner und Siegertsbrunner Radlfreunde „HöSi-Radlspezln“ bereits zum dritten Mal auf gemeinsame Fahrt. Auf dem Programm stand diesmal eine 6-tägige Radreise durch das landschaftlich äußerst reizvolle Piemont – ein Geheimtipp, auch in kulinarischer und kultureller Hinsicht, wie sich bald herausstellen sollte.

 

Sonntag, 14. September 7:00 Uhr:  Mit 31 Teilnehmern im Alter zwischen 35 und 79 Jahren fuhren wir im nagelneuen, sehr komfortablen Berr-Reisebus in Richtung Italien. Unsere eigenen Fahrräder und e-bikes reisten im Anhänger mit uns. Schon kurz nach dem Brenner waren wir dem wochenlang unbeständigen Regenwetter entronnen und genossen die ersten Kaffeepausen bei wohltuendem Sonnenschein. Richtung Brescia und durch die Weiten der Po-Ebene ging es immer weiter nach Südwesten bis wir gegen 18:30 Uhr unser Ziel, das imposant auf einem Hügel thronende Städtchen  Mondovi (ca. 80 km südlich von Turin) erreichten. Dort wartete im 4-Sterne „Parkhotel“ bereits unser Abendessen.

 

Am Montag starteten wir unsere erste Tagesetappe. Der Bus brachte uns in die Ausläufer der Seealpen in das landschaftlich sehr reizvolle und vom Fremdenverkehr kaum erschlossene Stura-Tal.  In 1180 m Seehöhe wurden unsere Fahrräder entladen und nach einem kurzen aber kräftigen Anstieg – einem ersten Bergtest für unsere Oberschenkelmuskulatur – genossen wir im malerischen Bergdorf Sambuco einen fantastischen Ausblick in die alpine Landschaft. Von da an ging es auf nahezu verkehrsfreien Nebenstraßen ca. 40 km überwiegend abwärts durch das herrliche Stura-Tal, bis wir an einer Waldlichtung  plötzlich von unserem Bus und gedeckten Picknicktischen überrascht wurden. Eugen, unser Busfahrer, kredenzte uns eine köstliche italienische Brotzeit. Über kleine Ortschaften erreichten wir Borgo San Dalmazzo und nach knapp 55 Kilometern fuhren wir in das für seine schöne Piazza und die gemütlichen Shopping-Arkaden bekannte Städtchen Cuneo ein.  Es blieb Zeit für einen individuellen Stadtrundgang, danach teilte sich die Gruppe: Der Großteil fuhr mit dem Bus zurück nach Mondovi und die Unermüdlichen traten für den ca. 28 Kilometer langen Heimweg noch einmal kräftig in die Pedale.

 

Nach einem ausgiebigem Abendessen und intensivem Gedankenaustausch über die Erlebnisse des Tages ging es am nächsten Morgen mit dem Bus in die Nähe der Po-Quelle. Schon von weitem begrüßte uns der markante, die Cottischen Alpen  mit 3841 Meter dominierende  Monte Monviso, an dessen Fuße der Po entspringt. Auf 900 m Seehöhe entluden wir wieder die Räder. Ein erfahrener und sportlich ehrgeiziger HöSi-Radlspezl-Rentner nahm die nächsten 1000 Höhenmeter der für den Bus unpassierbaren Straße unter die Räder. Über viele Kehren und Steilstufen trat er in die Pedale bis dichter Nebel und Nieselregen ein Weiterkommen unmöglich machten. Immerhin war er der tatsächlichen Po-Quelle am nächsten gekommen. Die Gruppe ließ es gemächlich ca. 25 Kilometer bis Revello abwärts „laufen“, wo wir eine kleine Ortsbesichtigung machten und unsere Tour anschließend zur ehemaligen und sehr geschichtsträchtigen Zisterzienserabtei Staffarda fortsetzten.  Bereits vor dem informativem Klosterrundgang hatten uns in einem nahegelegenen Ristorante hausgemachte Pasta, Wein, Dolci und Espresso in himmlische Sphären entführt und nicht jedem von uns fiel es leicht, nach dem üppigen Mahl und dem süffigen Rotwein  die Weiterfahrt nach Saluzzo anzutreten. Hier war Gelegenheit für einen kurzen Stadtbummel durch kleine Gässchen mit einladenden Geschäften und Cafés, bevor es mit dem Bus zurück nach Mondovi ging.

 

War das Streckenprofil der ersten beiden Etappen als eher harmlos zu bezeichnen, so sollte uns am nächsten Tag ein anderer Wind entgegenschlagen – Höhenwind, um es auf den Punkt zu bringen. Am Abend erläuterte unser Reiseleiter Hans Berr die „Königsetappe“ mit den zu bewältigenden Steigungsprozenten und –Kilometern, aber auch mit  den möglichen „Zwischeneinstiegen und –ausstiegen“. So ging es am Mittwoch direkt vom Hotel über einen langen Anstieg zur wirklich sehenswerten, im barocken Stil erbauten Basilika von Vicoforte mit der weltgrößten elliptischen  Kuppel. Weiter ging es für die „Willigen“ (die anderen konnten den Bus benutzen)  über einen kürzeren steilen Anstieg auf die Passhöhe und dann abwärts in ein langes Tal, später ansteigend und steiler werdend bis zur nächsten „Passhöhe“ und dann steil abwärts bis in die Nähe von Raccoforte, wo unser Bus mit der wohlverdienten Brotzeit mit Käse und Speck wartete. Bei einsetzendem Nieselregen fuhr eine kleine Gruppe noch weiter bis Chiusa di Pesio, jedoch setzten heftige Gewitterschauer der Tour alsbald ein Ende. Nach einer wärmenden Kaffeepause im kleinen Ortscafé fuhren alle mit dem Bus zurück nach Mondovi.

 

Schon am Abend gab es Zweifel, ob unsere letzte Etappe aufgrund der schlechten Wetterprognose wie geplant durchgeführt werden konnte. Tatsächlich regnete es auch am Donnerstag und so entschlossen wir uns zu einem Stadtausflug nach Turin, was durchaus eine schöne Abwechslung in unserem Radprogramm darstellte. Die für den Nachmittag geplante Weinprobe wollten wir uns allerdings nicht entgehen lassen und so fuhr uns der Bus direkt in das Weingut im Anbaugebiet Langhe in der Nähe von Alba. Die zünftige Weinprobe,  das gesellige Beisammensein und das Verstauen der edlen Tropfen  dauerte natürlich länger als geplant und so kamen wir gerade noch rechtzeitig zum ausgiebigen piemontesischen Abendessen zurück ins Hotel. Wie im Flug war auch unser letzter Tag im Piemont vergangen.

 

Die landschaftlich schöne Rückreise führte über Mailand, dem Lago Maggiore, dem Comer und dem Luganer See über den San Bernardino Pass, die Schweiz und am Bodensee vorbei zurück nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Hier wurden am S-Bahnhof die Räder, das Gepäck und der Wein entladen. Eine schöne und erlebnisreiche Radreise mit vielen bleibenden Eindrücken ging zu Ende.

 

Gerd Telischek, Martina Bruglachner